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Daten der Kreisstadt Minden

Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Minden-Lübbecke
Fläche des Stadtgebietes: 101, 08 km2
Einwohnerzahl: rund 83.000 (Stand 31.12.2004)
Einwohner pro km2: 850
Geografische Koordinaten: 52°17'26 Nördliche Breite, 8°55'07 Östliche Länge (bezogen auf das Rathaus, Haupteingang)
Höhenlage: 180,594 m über NN (höchste Lage im Stadtteil Haddenhausen), 40,338 m über NN (niedrigster Festpunkt im Ortsteil Leteln), 42,2 m über NN (Rathaus, Straßenhöhe)
Länge der Stadtgrenze: rund 63 km
Größte Ausdehnung Nord-Süd: rund. 13,1 km
Größte Ausdehnung Ost-West: rund 14,1 km

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Erkanbert (Ercumbert, Herkumbert): 1. heiliger Bischof von Minden, gestorben 7. Juni 830 in Minden. Fest: 7.Juni.  Nach heutigen Erkenntnissen stammte er aus dem Gollachgau bei Würzburg. Dort sind auch drei Schwestern von ihm nachweisbar. »Vermutlich« (H. Kluger) Mönch aus dem Kloster zu Fulda unter Abt Baugulf. Ab dem Jahre 785 finden wir ihn »als Missionar im mittleren Weserraum tätig«. (H. Kluger). Von daher dürfte wohl auch seine Bezeichnung »Episcopus de Saxonia« stammen. Um das Jahr 790 wird seine Bischofsweihe angesetzt. Nach den Jahren 803/804 hat ihn Karl der Große zum Missionsbischof des neuen Bistums Minden bestimmt. Dieses neue Bistum umfaßte die Gebiete zwischen Hunte und Aller (Hannover, Celle, Soltau, Dümmersee, Polle, Nienburg) das zur Erzdiözese Köln gehörte. Sein Fest erscheint im Proprium von Osnabrück vom Jahre 1652 am 9. Juli, in den Mindener Nekrologien am 7. Juni.

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Schinkel, Karl Friedrich (1781-1841), deutscher Architekt und Maler, der fast ausschließlich in Preußen baute. Er wurde am 13. März 1781 in Neuruppin geboren und studierte bei Friedrich Gilly, in dessen Elternhaus er auch verkehrte, Architektur. 1803 bis 1805 bereiste er Deutschland, Italien und Frankreich. Da er keine Aufträge hatte, arbeitete er seit 1805 in Berlin zunächst als Maler. Er schuf Landschafts- und Architekturbilder, Dioramen, Panoramen und Bühnenbilder. Ab 1810 arbeitete er bei der Preußischen Baubehörde, 1815 wurde er Geheimer Oberbaurat und in den dreißiger Jahren Oberbaudirektor. In dieser Funktion hatte er großen Einfluss auf das gesamte Bauwesen in Preußen. Schinkel starb am 9. Oktober 1841 in Berlin.

Seine Bauten prägten durch ihre Klarheit und Formenstrenge die damalige Baukunst in Deutschland. Schinkels Hauptwerke entstanden zwischen 1816 und 1830. Die frühen Bauten wie die Neue Wache (1816-1818), das Schauspielhaus (1818-1821) und das Alte Museum in Berlin (1822-1830) sind im Stil des Klassizismus ausgeführt. Schinkel baute auch im zeitgenössischen Stil der Neugotik, z. B. die Werdersche Kirche (1825-1828). Zu seinen späten Werken zählt die Nikolaikirche in Potsdam (1830-1837). Alle Berliner Werke Schinkels wurden im 2. Weltkrieg schwer beschädigt oder zerstört. Seine reiche architektonische Phantasie zeigt sich in einem Entwurf für ein Königsschloss auf der Akropolis in Athen (1834) und für das Schloss Orianda auf der Krim für die Kaiserin von Russland (1836).

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Humboldt, Wilhelm, Freiherr von (1767-1835), preußischer Politiker, Schulreformer, Sprachforscher und Philosoph. Er wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam als Bruder des Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldt geboren und studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten von Frankfurt an der Oder, Göttingen, Weimar und Jena. Während und nach den Napoleonischen Kriegen stand er im preußischen Staatsdienst, reformierte als Erziehungsminister das preußische Schul- und Universitätswesen nach humanistischen Prinzipien und den sozialreformerisch-anthropologischen Ansätzen des Schweizer Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Humboldt gründete 1810 in Berlin eine Universität, die nach ihm benannt wurde. Von 1810 bis 1815 war er Botschafter in Wien und nahm am Wiener Kongress teil. Später war er Gesandter in London.

1819 quittierte der liberal gesinnte Humboldt den Dienst als preußischer Beamter und brachte damit seine Opposition gegen die repressive und reaktionäre Politik des Staatsapparates zum Ausdruck. Den Rest seines Lebens widmete er sich wissenschaftlichen Studien. Er war einer der ersten Gelehrten, die der Überzeugung waren, dass eine Sprache Kultur und Charakter ihrer Sprecher widerspiegele und dass sie im historischen und anthropologischen Zusammenhang untersucht werden sollte, und nahm damit bereits Erkenntnisse der modernen Ethnolinguistik vorweg. Seine linguistischen Studien erstreckten sich auf verschiedene Sprachen, darunter ostasiatische wie Chinesisch oder Japanisch und semitische Sprachen, aber auch Sanskrit, Ungarisch oder Ägyptisch. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen, aber auch grundsätzliche sprachtheoretische Überlegungen stellte er beispielsweise in einer Abhandlung über die baskische Sprache (1821) und in seinem sicherlich bekanntesten, groß angelegten Werk Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java (1836-1840) dar. Humboldt verfasste neben seinen philologischen und sprachtheoretischen Untersuchungen auch Arbeiten zur Staatstheorie und übersetzte Werke der klassischen Antike aus dem Griechischen. Er pflegte auch einen Schriftwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe, der 1876 veröffentlicht wurde. Wilhelm von Humboldt starb am 8. April 1835 in Tegel (heute zu Berlin).

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Alliierter Kontrollrat, am 8. August 1945 von den vier Besatzungsmächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion nach der deutschen Kapitulation im 2. Weltkrieg eingerichtetes oberstes Regierungsorgan zur „Regelung der Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen”. Die Einrichtung eines Alliierten Kontrollrates war bereits am 14. November 1944 im Londoner Kontrollabkommen beschlossen und am 5. Juni in der Berliner Viermächteerklärung konkretisiert worden. Der Alliierte Kontrollrat für Deutschland setzte sich aus den Oberbefehlshabern der vier Besatzungsstreitkräfte zusammen und hatte seinen Sitz in Berlin; seine Arbeit nahm er am 30. August 1945 auf. Die Zuständigkeit des Kontrollrates erstreckte sich auf ganz Deutschland; er erließ Direktiven und Gesetze, Instruktionen und Befehle, die jeder der vier Oberbefehlshaber in seiner Besatzungszone nach eigenem Ermessen umsetzen konnte. Die Entscheidungen des Kontrollrates mussten einstimmig getroffen werden; allerdings konnten sich die Mitglieder des Rates in grundlegenden Fragen selten auf gemeinsame Beschlüsse einigen. Dies hatte zur Folge, dass die Militärgouverneure stattdessen den Entscheidungsspielraum innerhalb ihrer jeweiligen Zonen ausschöpften, so dass diese sich rasch auseinander entwickelten. Angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen Ost und West und vor dem Hintergrund der Sechsmächtekonferenz in London (siehe Londoner Empfehlungen) verließ der sowjetische Vertreter am 20. März 1948 den Kontrollrat, der daraufhin die Arbeit praktisch einstellte. Und nachdem die Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 die volle Souveränität erlangt hatte, erübrigte sich der Kontrollrat für Deutschland endgültig.

In Österreich richteten die vier Siegermächte entsprechend den beiden Kontrollratsabkommen vom 4. Juli 1945 und vom 28. Juni 1946 ebenfalls einen Alliierten Kontrollrat als oberste Regierungsbehörde ein, der sich aus den Oberbefehlshabern der vier Besatzungszonen zusammensetzte und seinen Sitz in Wien hatte. Bereits im Oktober 1945 erkannte er die provisorische österreichische Regierung unter Karl Renner an, und nach der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955, durch den Österreich die volle Souveränität zurückerhielt, wurde der Alliierte Kontrollrat für Österreich gegenstandslos.

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Preußisches Allgemeines Landrecht, Rechtsvorschriften des preußischen Staatenbundes, schriftlich niedergelegt im Jahr 1794. Die umfassende und in dieser Form einzigartig umfangreiche Darstellung aller wesentlichen damals gültigen Rechtsvorschriften ist eines der ersten Beispiele eines detailgenau bis in alle Bereiche menschlichen Lebens formulierten Gesetzeswerkes im deutschen Sprachraum. Im 19. Jahrhundert entstanden dann nach und nach u. a. das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Strafgesetzbuch (StGB), welche die alten Bestimmungen schrittweise ersetzten.

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Der Ginkgobaum ist der einzige noch lebende Vertreter seiner Familie und seiner Ordnung – im Mesozoikum war die Ordnung sehr verbreitet. Seit dem Altertum wird der Ginkgo als heiliger Baum in den Tempelgärten Chinas verehrt und gepflegt. Botaniker waren lange der Überzeugung, dass der Ginkgo ohne diese besondere Pflege schon längst ausgestorben wäre. Inzwischen wurden aber auch wilde Ginkgobäume in abgelegenen Tälern Westchinas gefunden.

Ginkgos werden zwischen 12 und 37 Meter hoch. Das Ginkgoblatt ist fächerförmig. Die Blattadern entspringen am Blattgrund und sind stets gabelförmig verzweigt. Der Ginkgobaum ist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten entwickeln sich auf verschiedenen Bäumen. Die männlichen Blüten produzieren Pollen, der vom Wind verteilt wird; die weiblichen bilden Samen, die von einem unangenehm riechenden, fleischigen Integument (Samenhülle) umgeben oder eingeschlossen sind. Die weiblichen Bäume werden daher weniger als Zierpflanzen verwendet. Der geschälte Samen wird in China und Japan geröstet und ist als Delikatesse sehr beliebt. Extrakte aus Ginkgosamen werden bei Erkrankungen der Atemwege und bei Verdauungsstörungen angewendet, Blattauszüge sollen die Wundheilung fördern. Zudem wurden Inhaltsstoffe nachgewiesen, die gegen Gedächtnisstörungen und Gefäßverengung wirken.

Der Ginkgobaum erreichte Europa Mitte des 18. Jahrhunderts, er wird häufig in Park- und Gartenanlagen gepflanzt. Außerdem hat er sich als geeigneter Großstadtbaum erwiesen. Der resistente Baum gedeiht auch in Gegenden mit starker Luftverschmutzung und wenig Sonnenlicht sowie unter anderen stadttypischen Umweltbedingungen. Inzwischen wurden mehrere Ginkgosorten gezüchtet.

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Quäker , eigentlich Gesellschaft der Freunde. Die Quäker glauben, dass sich Gott jedem Menschen persönlich und individuell offenbart. Jeder kann das Wort Gottes im Herzen empfangen, und die Freunde bemühen sich, ihr Leben danach auszurichten. Sie bezeichnen das Wirken des Geistes auch als „Inneres Licht”, „Gottes Saat” oder „Innerer Christus”. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die ersten Quäker meinten, Christus wohne in der Seele des Gläubigen. Feste Dogmen lehnen sie ebenso ab wie einen Klerus, der von den Gläubigen abgehoben ist und der für seine Tätigkeit bezahlt wird. Darüber hinaus haben sie kein formelles Glaubensbekenntnis. Dagegen betrachten sie alle Mitbrüder und -schwestern als potentielle Gefäße, die für das Wort Gottes offen sind. Ein wesentlicher Bestandteil ihres Gottesdienstes ist die schweigende Andacht.

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Mittellandkanal, 321 Kilometer langer Kanal am Südrand des Norddeutschen Tieflandes zwischen Dortmund-Ems-Kanal und der Elbe nördlich von Magdeburg.

Der 1938 fertig gestellte Mittellandkanal (früher auch Ems-Weser-Elbe-Kanal) ist der längste Kanal in Deutschland und die wichtigste Verbindung zwischen den Stromgebieten von Rhein, Ems und Weser (in Minden quert der Kanal die Weser) mit der Elbe, die das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee mit dem 16 Meter höher liegenden Kanal verbindet. Über weitere Kanäle hat der Mittellandkanal zudem Anschluss an das Berliner Wasserstraßennetz (Elbe-Havel-Kanal, Havel) und die Oder (Oder-Havel-Kanal, Oder-Spree-Kanal), an den Seehafen Hamburg (Elbe-Seitenkanal) sowie zur Ostsee (Elbe-Lübeck-Kanal).

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Weser, Fluss im Nordwesten Deutschlands. Die Weser entsteht durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda und ist etwa 440 Kilometer lang. Das Einzugsgebiet des Flusses umfasst rund 45 000 Quadratkilometer. Die Weser fließt ab Hannoversch Münden in nordwestlicher Richtung durch Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen und mündet südöstlich von Bremerhaven, wo sie einen großen Mündungstrichter bildet, in die Nordsee. Die Weser ist auf ihrer gesamten Länge schiffbar. Sie ist durch Kanäle mit Elbe, Rhein und Ems verbunden. Der Mittellandkanal überquert die Weser bei Minden. Etwa bis Bremen ist die Unterweser dem Einfluss der Gezeiten ausgesetzt. Aufgrund der Zufuhr von Schmelzwasser aus den deutschen Mittelgebirgen erreicht die Wasserführung ihr Maximum im Februar und März. Die längsten Nebenflüsse der Weser sind Diemel, Hunte und Aller.

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Bischof Milo (969 - 996). 969 bestimmte Kaiser Otto II den Kölner Kanoniker Milo zum Mindener Bischof. In den 30 Jahren seines Episkopats kümmerte sich Milo intensiv um sein Bistum, hielt zugleich aber eine enge Verbindung zum Königshof und erwirkte verschiedene Privilegien.

Ein besonders wertvolles Privileg erhielt Milo auf seine Bitte hin im März 977. Der Kaiser verlieh ihm den Königsbann über seinen Bischofssitz und gestand ihm das Münz-, Mark- und Zollrecht zu. Da Minden äußerst verkehrsgünstig an einem Weserübergang und an der Kreuzung der Nord-Süd-Straße mit der Verbindung vom Rhein her nach Osten und Nordosten gelegen war, fielen dem Bischof damit große Einkünfte zu, die notwendig waren, um die finanziellen Verluste, die ein Dom- und Siedlungsbrand und der notwendige Wiederaufbau gebracht hatten, auszugleichen. Gleichzeitig wurde mit dieser Urkunde die Grundlage für die Entwicklung der Mindener Bischofsburg zur Stadt gelegt, deren Ausbau Milos Nachfolger umsichtig vorantrieben.

Seit 977 ist somit mit der Entstehung einer Kaufmannssiedlung, eines Wiks, zu rechnen. Heinrich Tribbe, ein Mindener Chronist des späten Mittelalters, berichtete, dass an jedem Samstag ein Markt stattgefunden habe.

Bischof Milo nahm 991 an einem Slawenfeldzug des Sachsenherzogs Bernhard teil, der im September zur Eroberung Brandenburgs führte. Bei der Einnahme der Festung schlugen sich Milo und die Mindener offenbar so tapfer, dass der sächsische Herzog den König um eine besondere Auszeichnung für den Bischof bat. Das Geschenk des Königs fiel entsprechend großzügig aus. Der Bischof bekam zwei Forste bei Delmenhorst und Petershagen sowie den am Westufer der Weser gelegenen Teil des Süntelwaldes (vermutlich der östliche Teil des Wiehengebirges, in dem die Wittekindsburg liegt) übereignet. Die großzügige Schenkung des Königs ermöglichte Milo die Gründung und Ausstattung eine Bedinktinerinnenklosters auf dem Wittekindsberg. Dort hatte bereits zuvor die Klausnerin (Eremitin oder Recluse) Thetwif gelebt, die in Minden als Heilige verehrt wurde.

993 musste Milo seine Truppen erneut gegen die Slawen mobilisieren und dem König zuführen, denn die Liutizen hatten Brandenburg angegriffen und umzingelt. Ein deutsches Entsatzheer unter Führung des Markgrafen Ekkehard von Meißen war überfallen und zersprengt worden. Im Feldlager an der Elbe bat Milo Otto III um eine Urkunde für das auf dem Wittekindsberg,  innerhalb der alten, „Wittekindsburg“ genannten Fliehburg, gelegene Kloster St. Marien. Der König stellte das Nonnenkloster unter seinen Schutz und verlieh ihm das Recht, die Äbtissin im Einvernehmen mit dem Mindener Bischof selbst zu bestimmen. Mit dieser Einschränkung kam Otto Milo entgegen, denn der wollte das von ihm gegründete erste Benediktinerinnenkloster im Mindener Bistum möglichst eng an sich gebunden wissen.

Milos Nachfolger Ramward regierte nur sechs Jahre, während der er auch militärisch tätig werden musste. Die Bischöfe jener Zeit waren nicht nur weltliche Fürsten, sondern griffen auch zur Waffe, wie man es von einem Lehnsherren erwartete. So war auch Ramwards herausragende Tat ein Sieg über die Slawen an der Ostgrenze des Reichs.

In seine Amtszeit fiel vermutlich die Verlegung des auf dem Wittekindsberg gelegenen Klosters nach Minden. Das Wetter hatte sich ungünstig verändert und auf dem 277 m hohen Berg, der sich steil aus der Norddeutschen Tiefebene erhebt, war es kalt und feucht geworden. Der Höhenunterschied zwischen Minden und dem Wittekindsberg beträgt gut 230 m. Das Klima war in der Ebene angenehmer und erträglicher für die Nonnen.

Er siedelte die Nonnen um 1000 auf einer Anhöhe am Mindener Hochufer an, in einiger Entfernung nördlich des Dombereichs. Zu Füßen des Klosters St. Marien führte die Nord-Süd-Straße (heute Marienstraße) entlang, die zur Domfreiheit führte. Damit war ein wichtiger Schritt getan, um die Straßen, die sich in Minden kreuzten, unter die Kontrolle der bischöflichen Siedlung zu bekommen. Stadt und Markt entwickelten sich längs der Straßen zwischen Dom und Marienkloster.

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Die Einsiedlerin Thetwif, die Begründerin des klõsterlichen Lebens auf dem Wittekindsberg, hat im Gedãchtnis der Mindener über Jahrhunderte hinweg nur wenige erkennbare Spuren hinterlassen. So ist es nicht überraschend, dass von ihr kein mittelalterliches oder frühneuzeitliches Bild erhalten ist. Erst im 19. Jahrhundert wird Thetwif - als einzige Frau - im Kreise der “Heiligen und Seligen des Bistums Minden” historisch dargestellt. Auch beim Wiederaufbau des im 2. Weltkrieg zerstörten Doms erinnerte man sich an die Einsiedlerin vom Wittekindsberg. 1957 entwarf der aus Westfalen stammende Berliner Künstler Vincenz Pieper (1903 - 1981) für das südliche Querhaus ein Fenster, das elf mit der Geschichte des Mindener Bistums eng verbundene Heilige zeigt. Pieper stellt Thetwif als Äbtissin mit Stab und Buch dar.

Thetwif lebte zunächst (vor 993) als Inklusin und wählte dann - als sich ihr Gefährtinnen anschlossen - nicht die für das altsächsische Gebiet typische und dort weit verbreitete kanonikale Ordnung, sondern sie entschied sich für die Benediktsregel als Basis des gemeinsamen Lebens. Das ist für die Zeit in dieser Region ungewöhnlich.
In der sog. Jüngeren Bischofschronik (15. Jahrhundert) heisst es, die Nonnen auf dem Wittekindsberg hätten nach den Gebräuchen von St. Maria im Kapitol in Köln gelebt. Damit ist nicht ausdrücklich gesagt, Thetwif sei aus Köln gekommen; doch die Möglichkeit muss offen gelassen werden.
Klausner und Klausnerinnen haben sich häufiger in Wallburgen niedergelassen. Auch die Iburg, wo die Einsiedlerin Helmtrud lebte, ist eine solche Wallanlage, die in den Sachsenkriegen eine bedeutende Rolle spielte. Vielleicht hielt sich zur gleichen Zeit auch in der Wallburg auf dem Borberg bei Brilon ein Klausner oder eine Klausnerin auf. Andere Orte, an denen sich Klausner gern niederließen, waren - wie wir vor allem aus späterer Zeit wissen - einsam gelegene oder verlassene Kirchen. Eine Wallanlage - damals sicher noch stärker ausgeprägt als heute - traf Thetwif auf dem Wittekindsberg an. Ob dort in der Einsamkeit bereits auch eine Kirche, nämlich die Kreuzkapelle, stand, ist eine der Fragen, die hier zur Debatte stehen.

Das erste schriftliche Zeugnis für kirchliches Leben auf dem Wittekindsberg bietet eine Urkunde König Ottos III. aus dem Jahr 993. "Am 15. August 993 bestätigte König Otto III. dem Mindener Bischof Milo, dass dieser ein Kloster für fromme Nonnen im Namen der Jungfrau Maria in seiner Wedegenburg genannten Burg erbauen könne. Dort nämlich … habe eine gewisse Thetwif als fromme Inkluse zuerst ein Einsiedlerleben geführt und dann die Regel des heiligen Benedikt mit anderen frommen Nonnen befolgt. Diesen Nonnen habe sie selbst von deren Kindheit an das Leben der heiligen Religion vorgelebt und sie habe diese gelehrt. Zu diesem Kloster habe der erwähnte Bischof Milo zur Ausstattung der gegenwärtig und künftig dort lebenden Nonnen drei Orte gegeben, nämlich Homelbeke, Jöllenbeke und Brunnenhusen mit vierzig Familien"

Thetwifs Konvent war das erste Kloster Westfalens, das sich bewusst an der Regula Benedicti orientierte. Das gute Dutzend der bis dahin gegründeten westfälischen Frauenkonvente hatte zu jener Zeit ausnahmslos Stiftscharakter.
Um die Entstehungsgeschichte des Kloster auf dem "Wittekindsberg", aufzuhellen, darf man nicht nur die Rolle Thetwifs betrachten; man muss auch nach den Anteilen fragen, die Bischof Milo am Zustandekommen des "monasterium" hatte. Wann Milo mit Thetwif in Verbindung getreten ist, ob er sie schon als "inclusa" kannte, ab wann er sie förderte: über all das lassen sich nur Vermutungen anstellen. Milo, der zwölfte und bis dahin wohl bedeutendste Bischof Mindens, der von 969 bis 996 amtierte, kam möglicherweise aus Köln. Seine intensiven Beziehungen zu dem benediktinischen Reformzentrum Gorze in Lothringen sind mehrfach belegt. Die mögliche Herkunft aus Köln und die Nähe zum Leben nach benediktinischen Ordnungen sind Punkte, die Thetwif und Milo verbunden haben könnten. Außerdem hatten die Bischöfe nach den kirchenrechtlichen Vorschriften die Pflicht, sich der Inklusen anzunehmen. Von Erzbischof Brun von Köln, den Milo sicher gekannt hat, wissen wir, dass er spirituell und materiell intensiv für Klausner und Klausnerinnen gesorgt hat.

Der Wittekindsberg mag für eine Einsiedlerin der passende Platz gewesen sein; für eine größere Frauengemeinschaft dürfte der Platz dagegen viele Nachteile gehabt haben. So wurde der Konvent bereits vor 1002 von Bischof Ramward nach Minden verlegt, einem Ort, der für ein Frauenkloster als geeigneter erschien. Als Grund, den alten Platz aufzugeben, nennen die spätmittelalterlichen Chronisten die dort herrschenden ungünstigen Witterungsverhältnisse auf dem Berg (Wind und Nebel) sowie Schwierigkeiten bei der Versorgung der Nonnen. In der Stadt Minden, an der Kirche St. Marien, existierte der Konvent, der im Hochmittelalter zum Kanonissenstift wurde, noch 800 Jahre, ehe er 1810 aufgelöst wurde.

Als die Benediktinerinnen in die Stadt übersiedelten, trugen sie zugleich Sorge dafür, dass der Wittekindsberg nicht verödete. Zur Erinnerung an Thetwif - so berichtet im 15. Jahrhundert der Domherr Heinrich Tribbe - sollte weiterhin eine Inkluse an dem von dem Konvent verlassenen Platz ein frommes Leben führen. Die Nonnen im sicheren und bequemen Minden verpflichteten sich, die einsame Schwester mit Nahrung und Kleidung zu versorgen. Wie lange die "memoria" Thetwifs auf diese sehr sinnfällige Art in der Wallanlage der Wittekindsburg gepflegt wurde, lässt sich nicht exakt sagen. "Das wurde für lange Zeit so gehalten" heisst es in der Jüngeren Bischofschronik. Im Laufe der Jahre verlor jedoch die Erinnerung an die Gründerin des ersten westfälischen Benediktinerinnenklosters an Intensität und symbolhafter Dichte. Statt einer Inklusin auf dem Berg lebte nun im Mindener Konvent Sankt Marien eine "Person" - ob Nonne oder nicht, ist nicht zu ermitteln -, die nur noch durch Psalmengebete, nicht mehr durch das harte Leben als Klausnerin das Gedenken an Thetwif wach halten sollte.

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Nikolaus Kopernikus , deutsch-polnischer Astronom, *19. Februar 1473 in Thorn, † 24. Mai 1543 in Frauenburg, eigentlich: Nikolaus Koppernigk.

Kopernikus ist der Begründer der modernen Astronomie und des heliozentrischen Weltbildes. Er genoss eine umfassende Ausbildung (Studien in Krakau und Italien), darunter mathematische und medizinische Studien, weltliches und geistliches Recht. Er praktizierte als Arzt in Heilsberg und fand seit 1512 als Domherr in Frauenburg Zeit für sein Lebenswerk. Er revidierte die bisherige Lehre von der Planetenbewegung völlig. Auf der Suche nach einer einleuchtenden Erklärung für die komplizierten Himmelserscheinungen und nach gründlichem Studium der griechischen Quellenschriften über das Ptolemäische Weltsystem wandte er sich der Frage zu, ob die Erdkugel ruht oder ob sie sich bewegt (die Bewegung war schon im Altertum von Hicetas, Philolaos, Herakleidos, Ponticos, Ekphantos und Aristarch bejaht worden), und bewies eine dreifache Bewegung der Erde:
1. ihre tägliche Umdrehung um sich selbst (dadurch erklärt sich die scheinbare tägliche Umdrehung des Fixsternhimmels);
2. ihren Bahnkreisumschwung um die Sonne (dadurch lassen sich die scheinbaren Schleifenbahnen der Planeten erklären);
3. ihre Deklinationsbewegung um die Pole der Ekliptik im Laufe eines Jahres.

Die Sonne steht nach Kopernikus im ungefähren Weltmittelpunkt, der Fixsternhimmel ist unbeweglich, und die Planeten (auch die Erde ist ein Planet) umkreisen die Sonne, wobei der Mond wiederum die Erde umrundet. Diese astronomische Lehre (Kopernikanisches Weltsystem) legte Kopernikus erstmals 1514 im "Commentariolus" nieder und erweiterte sie 1543 in dem Werk "De revolutionibus orbium Coelestium libri sex" ("Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper"), dessen erstes gedrucktes Exemplar Kopernikus auf dem Sterbebett in Empfang nahm.

In der katholischen Kirche genoss die neue Lehre eine Zeit lang Schutz, da sie dem Papst gewidmet worden war. Aber nach dem Tridentiner Konzil begann die Gegenströmung, und das Hauptwerk von Kopernikus wurde 1616 innerhalb der Wirren um die angeblichen Irrlehren des Galileo Galilei auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Erst 1757, also über 150 Jahre später, wurde Kopernikus wieder aus dem "Index librorum prohibitorum" herausgenommen.

Die lückenhaften Stellen in seiner Planetentheorie wurden dann von J. Kepler ergänzt und somit beseitigt. Aber auch dieser konnte keinen Beweis für die tatsächliche Existenz des heliozentrischen Weltbildes bringen. T. Brahe erstellte dann einen Kompromiss zwischen dem helio- und geozentrischen System.

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Friedrich Wilhelm IV., preußischer König, *15. Oktober 1795 in Berlin, † 2. Januar 1861 auf Schloss Sanssouci. Der Sohn Friedrich Wilhelms III. regierte von 1840 bis 1857.

Sein Regierungsantritt im Juni 1840 wurde von den Hoffnungen der Liberalen begleitet, die eine Wende gegenüber der autoritären Politik seines Vaters Friedrich Wilhelm III. erhofften; Friedrich Wilhelm IV., der "Romantiker auf dem Thron", beendete zunächst den Kölner Kirchenstreit und lockerte die Pressezensur, aber das Verfassungsversprechen seines Vaters löste er nicht ein. Als im März 1848 in Preußen die Revolution ausbrach, beugte er sich dem Druck der Straße und machte einige konstitutionelle Konzessionen, die nach der Niederschlagung der Erhebung zurückgenommen wurden. Auch das Angebot der Frankfurter Nationalversammlung, die deutsche Kaiserkrone zu ergreifen, lehnte er ab, da er nur aus den Händen Gottes, nicht des Volkes, die Krone anzunehmen bereit sei. Stattdessen versuchte er, die deutsche Frage selbstständig zu lösen (Erfurter Unionsparlament), gab jedoch in der Olmützer Punktation 1850 unter dem Druck Österreichs seine Unionspläne wieder auf. Nach zwei Schlaganfällen im Jahr 1857 übernahm 1858 sein Bruder Wilhelm die Regentschaft.

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Friedrich Wilhelm Bessel, deutscher Astronom und Mathematiker, *22. Juli 1784 in Minden, † 17. März 1846 in Königsberg

1809 berief Wilhelm von Humboldt Bessel nach Königsberg, um dort die neue Sternwarte zu erbauen. Bessel hat bis zu seinem Tod eine äußerst fruchtbare Tätigkeit entwickelt. Gauß hatte ihm die Doktorwürde von Göttingen ehrenhalber verschafft. Bessel schuf die exakten Grundlagen für die moderne Astronomie. Es gelang ihm v.a., den endgültigen Beweis für die Theorie der Bewegung der Himmelskörper, die Kopernikus erdacht hatte, durch die Auffindung der zuverlässigsten Fixsternparallaxe zu leisten: 1838 bestimmte er die Entfernung eines Fixsterns. Damit war das Werk des Kopernikus in seinem wissenschaftlichen Kern abschließend gefestigt. Bessel entdeckte außer den Grundlagen zur Positionsbestimmung von Gestirnen die Größe der Schwankung der Erdachse, der Aberration und der Schiefe der Ekliptik. Unter anderem erhielt Bessel, der niemals regelmäßig studiert hatte, den Orden "Pour le merité".

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Karl IV., römisch-deutscher Kaiser, *14. Mai 1316, † 29. November 1378.

Aus dem Haus Luxemburg, Sohn König Johanns von Böhmen, 1346 von den Kurfürsten zu Rhense als Gegenkönig Ludwigs des Bayern gewählt, fand erst nach dessen Tod 1347 Anerkennung; 1355 auf Einladung Innozenz VI. zum Kaiser gekrönt, begnügte er sich auf die nominelle Oberhoheit; erhob sich durch weltmännische Bildung und realpolitisches Denken (Ausgleich mit den Kurfüsten 1365) zum bedeutendsten Herrscher des späten Mittelalters; schuf mit Kurfürstenkollegium, Fürstenrat und Städterat die bedeutendsten Stützen des deutschen Föderativstaates, hemmte die politische, förderte jedoch die wirtschaftliche Entwicklung der Städte, löste das Papsttum aus der Abhängigkeit von Frankreich, bemühte sich erfolgreich um den Ausbau seiner Hausmacht Böhmen (1353 Oberpfalz, 1368 Schlesien, 1373 Brandenburg. 1364 Erbverbrüderung von Brünn mit Habsburg), machte Prag zur ständigen kaiserlichen Residenz (1348 Gründung der nach ihm benannten Karls-Universität; Veitsdom; Hradschin) und machte Böhmen zum bestverwalteten Land seiner Zeit.

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Sigebert von Minden , 1022/1024-1036. - Herkunft, Ausbildung und Wirken Sigeberts bleiben bis zu seiner Bischofsweihe im Jahre 1022 im Dunkeln. Der spätere 15. Bischof von Minden wird im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts geboren sein, stammte wohl aus sächsischem Adel und war Schüler der Mindener Domschule.

1022 wurde er vom Salierkaiser Konrad II. auf den Mindener Bischofsstuhl empfohlen und nach dem Tode Alberichs Bischof. Er dankte dies seinem Fürsprecher Konrad durch treue Gefolgschaft und führte die wichtige Stellung der Mindener Bischöfe innerhalb der deutschen Reichspolitik fort. Seine Amtsführung wurde allseits geschätzt, und es wird nicht nur ein Höflichkeitstopos sein, dass er in einer von ihm gestifteten Handschrift „Sigebertus praesul amandus - Sigebert der Liebenswerte“ - genannt wird. Neben die häufiger gerühmte Liebenswürdigkeit des Oberhirten tritt, in den künstlerischen Darstellungen ablesbar, ein großes Selbstbewusstsein: Auf einem bedeutenden Berliner Elfenbeindeckel ist Bischof Sigebert in beherrschender Position zwischen zwei Geistlichen dargestellt, die seine Pontifikalien halten: Das Kompositionsschema der Darstellung ist das von Legitimationsdarstellungen, bei denen üblicherweise Christus in der Mitte steht.

Für die hohe Selbsteinschätzung spricht auch, dass sich Sigebert in einer Miniatur der Handschrift ein zweites Mal darstellen ließ - auf dem Adlerthron sitzend -, was ungewöhnlich ist. Schließlich wird Sigebert auch in den `Laudes regiae' der jetzt in Wolfenbüttel aufbewahrten Graduale-Handschrift genannt und ist einer der frühesten Träger des Rationale, eines als Ehrenzeichen zu verstehenden Schulterschmucks des bischöflichen Ornats.

Die Handschriften sind es, die Sigeberts Namen einen Ehrenplatz unter den Bischöfen von Minden einräumen: Eine derartige Stiftung ist für den sächsischen Raum jener Zeit singulär. Erste Erwähnungen der so genannten `Sigebert-Handschriften' finden sich in der Bistumschronik des Mindener Domherrn Heinrich Tribbe (1410-1464): Tribbe zählte neun Codices auf, von denen heute noch insgesamt sieben erhalten sind, dazu kommt eine Graduale-Handschrift, die Tribbe nicht kannte.

In der Reformationszeit, nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde Minden kurbrandenburgisches Fürstentum. 1683 wurden die kostbarsten Zimelien des Mindener Domschatzes auf Befehl Friedrich Wilhelms von Brandenburg in die kurfürstliche Bibliothek, die heutige Staatsbibliothek, nach Berlin überführt. Der Entstehungsort der Codices war lange ungeklärt. Minden selbst, aber auch Bamberg, wurden als Skriptoriumsheimat angesehen, bis 1986 H. Hoffmann aus evidenten paläographischen Gründen zweifelsfrei St. Gallen als Entstehungsort nachwies. Hoffmann macht glaubhaft, dass Sigebert im Zuge der Neueinrichtung seiner Domkirche „einen ganzen Satz von Codices“, nämlich die zur Feier der Sakramente nötigen, in St. Gallen bestellte.

Nachdem Sigebert auf diese Weise für die würdige Ausführung der Liturgie in Minden gesorgt hatte, engagierte er sich kirchenpolitisch. Zehn Reisen zu den damaligen Wirkzentren königlicher und bischöflicher Macht zeigen dies: Gandersheim (1007), Paderborn (1024 und 1031), Corvey (1025), Frankfurt/Main (1027), Pöhlde (1028), Regensburg (1029), Nimwegen (1031), Merseburg (1033), Jöllenbeck (1035). Sigebert gründete in Minden das Kollegiatstift St. Martini (vor 1029), stattete es mit Reliquien des Heiligen Ulrich von Augsburg aus und weihte die in seiner Amtsperiode errichtete Kirche in Jöllenbeck.

Sigebert starb am 10. Oktober 1036 und fand sein Grab im St. Martini-Stift zu Minden. Dort befindliche Reste eines Gedenksteines aus dem 13. Jahrhundert zeigen Sigebert neben Bischof Eilbert.

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Gertrud von Le Fort , geb. 11.10. 1876 in Minden, gest. 1.11.1971 in Oberstdorf, Tochter des preußischen Majors Lothar Friedrich Freiherr von Le Fort (1831-1902) und seiner Ehefrau (seit 1874) Elsbeth Karoline geb. von Wedel-Parlow (1842-1918).

Die Vorfahren des Vaters waren verfolgte Protestanten (nicht Hugenotten!), die aus Norditalien und Savoyen nach Genf ausgewandert waren. Aufgrund mehrmaliger Versetzung des Vaters wechselt der Wohnsitz der Familie: Minden, Berlin, Koblenz, zuletzt Übersiedlung nach Hildesheim. 1888 nimmt der Vater, inzwischen Oberst, seinen Abschied.

In die Sommermonate der nächsten Jahre fallen längere Aufenthalte auf den mecklenburgischen Familiengütern: Boek am Müritz, Polßen, Parlow und Misdroy an der Ostsee. 1893 erscheinen erste Gedichte in der Zeitschrift »Jung Deutschland und Jung Elsaß«. Drei Jahre später lernt Gertrud von Le Fort Wien, Venedig, Florenz und Genua kennen. 1897 erscheint die erste Erzählung »Die roten Schuhe« unter dem Pseudonym G. von Stark (!). Unter diesem Namen wird auch 1899 der erste Verlagsvertrag mit dem B. Wiemann-Verlag in Bremen geschlossen (»Jacomino«, 1899). In den folgenden Jahren erscheinen weitere Gedichte und Erzählungen.

Mehrmals hat die angehende Dichterin Gelegenheit zu Italien-Aufenthalten, ein Umstand, der für die Auswahl ihrer Motive und Sujets nicht ohne Auswirkung bleiben sollte. 1908 ließ Gertrud von Le Fort sich als Hörerin an der Universität Heidelberg einschreiben, eine offizielle Immatrikulation war wegen des fehlenden Abiturs (bedingt durch den häufigen Wohnortwechsel) nicht möglich. Während des Zeitraumes von 1908 bis 1913 belegt sie vor allem Vorlesungen des Theologen und Philosophen Ernst Troeltsch (1865-1923), dessen »Glaubenslehre« sie 1925 nach ihren Vorlesungsmitschriften ediert. Das Studium lässt ihr gleichwohl noch die Zeit zum Dichten. Die Semesterferien nutzt sie für Besuche in Rom.

Das Wintersemester 1913/14 verbringt sie in Marburg, wo die Vorlesungen des Neukantianers Hermann Cohen (1842-1918) den tiefsten Eindruck bei ihr hinterlassen. Auch während des Krieges erscheinen einige Gedichte, denen jedoch noch der rechte Durchbruch versagt bleibt. 1915/16 folgt sie Troeltsch nach Berlin. Ab 1919/20 entstehen erste Abschnitte der »Hymnen an Deutschland«. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Arbeiten an »Das Schweißtuch der Veronika«.

Wichtige Bekanntschaften, die ihren weiteren Lebensweg mitprägen sollten, datieren aus jener Phase: 1923 lernt Le Fort Theodor Haecker kennen, ein Jahr später den Jesuiten Erich Przywara. 1924 veröffentlicht sie ihre »Hymnen an die Kirche«, die schlagartig und nachhaltig ihren Namen bekannt machen sollten. Was sich dort ankündigte, die zunehmende Nähe zum katholischen Glauben, sollte sich dann 1926 auch öffentlich manifestieren: In Rom konvertiert die Dichterin.

Aus Geldmangel ist sie gezwungen, unter Pseudonym einen historischen Kriminalroman (»Der Kurier der Königin«) zu schreiben. 1928 erscheint »Das Schweißtuch der Veronika«, im Jahr darauf werden ihre Hymnen erstmals vertont. Bis 1938 entstehen weitere wichtige Werke: »Der Papst aus dem Ghetto« (1930), »Die Letzte am Schafott« (1931), »Hymnen an Deutschland« (1932), »Das Reich des Kindes« (1933), »Die ewige Frau« (1934), »Die Magdeburgische Hochzeit« (1938).

Vortragsreisen machen Gertrud von Le Fort in ganz Deutschland bekannt. Ihr Werk gilt jedoch in dieser Zeit als unerwünscht.

Seit 1938 fehlt ihr Name in den gängigen Literaturgeschichten. Weitere Erzählungen folgen. 1944 geht das satzfertige Manuskript des Romans »Der Kranz der Engel« bei einem Bombenangriff verloren. Erst zwei Jahre später kann das Buch erscheinen. Die Publikation zieht kontroverse Diskussionen auf katholischer Seite nach sich.

Die frühen Nachkriegsjahre bringen für die Dichterin jedoch auch zahlreiche Auszeichnungen: 1947 - Münchner Literaturpreis, 1948 - Gedenkpreis der badischen Landesregierung und Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste, 1950 - Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 1952 - Gottfried-Keller-Preis der Bodmer Stiftung (Genf), 1953 - Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1955 - Ordentliches Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Literaturpreis von Nordrhein-Westfalen, 1956 - Dr. theol. h. c. (Universität München) und Ehrenbürgerin ihres Wohnsitzes (seit 1939) Oberstdorf.

Auch nach dem Krieg erscheinen weitere Erzählungen, Gedichte, es werden Werkausgaben vorbereitet, einige ihrer Novellen werden verfilmt, einige Dichtungen vertont. Georges Bernanos dramatisiert 1949 die Novelle »Die Letzte am Schafott« unter dem Titel »Dialogues des Carmélites«. Le Fort verteidigt seine Adaption gegen den Vorwurf des geistigen Diebstahls.

Hochgeehrt ist die Dichterin bis ins hohe Alter schöpferisch tätig. 1971 stirbt sie, 95jährig, in ihrer Wahlheimat Oberstdorf.

Das Frühwerk (bis 1920) fand später keine Gnade mehr vor dem selbstkritischen Urteil der Gertrud von Le Fort. Den entscheidenden Einschnitt in ihrem Schaffen markieren die in Anlehnung an den alttestamentlichen Psalmenstil verfassten »Hymnen an die Kirche«. Sie symbolisieren den Dialog zwischen der um die christliche Glaubensgewissheit ringenden Seele und Gott, dessen Antwort ihr durch die Kirche zuteil wird. Die Kirche ist gleichsam die metaphysische Verkörperung der Liebe Christi. Das in den »Hymnen« anklingende Thema der Glaubenserfahrung, der damit zugleich möglichen Glaubenszweifel, aber auch die als beglückend empfundene Begnadung durch Gott sollten kennzeichnend für das gesamte weitere Werk bleiben.

Mit Vorliebe handelt Gertrud von Le Fort die Bewährung des christlichen Glaubens in Grenzsituationen ab, sei es im autobiographisch gefärbten Doppelroman »Das Schweißtuch der Veronika« bzw. »Der Kranz der Engel«, sei es in der formal der italienischen Renaissancenovelle verpflichteten Erzählung »Die Letze am Schafott«. Hier wird das Schicksal der sechzehn Karmelitinnen geschildert, die am 17.6.1794 in Paris hingerichtet wurden. In den beiden antithetisch angelegten Protagonistinnen Blanche und Marie tritt jedoch die Symbolik eindeutig in den Vordergrund: Realhistorie wird zur bloßen Folie der Heilsgeschichte. Es sind in erster Linie Frauengestalten, die zu Martyrinnen werden. Sie tragen in scheinbar grenzenloser Leidensbereitschaft den Glauben auch in die heutige, von der Säkularisation gezeichnete Welt hinein.

In dieser Eigentümlichkeit der Le Fortschen Dichtung liegt jedoch auch die Gefahr der Überzeichnung, ja sogar der ideologischen Verengung. Kritische Stimmen bemängelten das zu einseitig gezeichnete Frauenideal der Dichterin. Dennoch sind es gerade diese scharf konturierten Gestalten gewesen, die Le Fort ihren herausragenden Platz im erwachenden literarischen Katholizismus der Jahrhundertmitte sicherten. Ihre von Kierkegaard beeinflusste Religiosität erfreut sich in den letzten Jahren erneut verstärkter Beachtung.

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