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Bagger rollen im August 2010 an
Es
hat sich in den vergangenen Monaten
erheblich verändert, das "Gesicht" der Landzunge östlich der Mindener Schachtschleuse. Dort, wo zuletzt viel Grün stand, ragt nach den Rodungsarbeiten im Herbst 2009 tiefbrauner Boden hervor. Ein untrügliches Zeichen, dass der Baubeginn der neuen Schachtschleuse unmittelbar bevorsteht.
In August dieses sollen die Bagger anrollen, um die ersten Spundwände für den Bau der knapp 70 Millionen Euro teuren neuen "Sparschleuse" zu setzen, die östlich und parallel der zwischen 1911 und 1914 errichteten Schachtschleuse entsteht. Die ist unter dem Aspekt der bei jeder Schleusung notwendigen Zuführung von neuem Schleusenwasser aus dem Mittellandkanal wegen des verhältnismäßig geringen Bedarfes ebenfalls bereits als sparsame Schleuse eingestuft.
Knapp 100 Jahre nach der Entstehung des alten Bauwerkes wird die neue Schleuse die alte vorerst nicht komplett ersetzen. Zunächst sollen jährlich noch rund 1000 Schiffe der alten Bauart in der "historischen" Schachtschleuse zwischen Weser und Mittellandkanal geschleust werden, wie der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden (WSA), Henning Buchholz, erläutert. Auch aus Kostengründen.
Das neue Bauwerk mit seiner 139 Meter langen und 12,50 Meter breiten Schleusenkammer soll vor allem die modernen Großmotorschiffe und Schubverbände aufnehmen, die auf den internationalen Binnenwasserstraßen fahren und die Größe der Schachtschleuse sprengen würden. Zunächst sind etwa 4000 Schleusungen jährlich in dem neuen Hebewerk kalkuliert, das voraussichtlich Ende 2013 fertiggestellt ist.
Auch wenn bei dem Projekt von einer Sparschleuse gesprochen wird, so benötigt das neue Objekt mehr als doppelt so viel Wasser für eine Schleusung wie die Schachtschleuse: 25 400 Kubikmeter. Das entspricht mehr als 152 000 Badewannenfüllungen.
Über 288 Düsenöffnungen mit einem Durchmesser von je rund 30 Zentimetern wird das Wasser von den östlich gelagerten Sparbecken in die neue Schleuse einströmen beziehungsweise von dort zurückgepumpt. Das Prinzip bringt nach Auskunft von Fachleuten eine Wasserersparnis von circa 60 Prozent. Gespeist werden die Becken mit Wasser aus dem Mittellandkanal.
Etwa 37 Minuten dauert eine Berg- oder Talschleusung. Nach Auskunft des zuständigen Hannoveraner Neubauamtes für den Ausbau des Mittellandkanales ist die wesentlich größere neue Schleuse damit nahezu ebenso schnell wie die Schachtschleuse mit ihrer Nutzlänge von 85 Metern und einer Breite von zehn Metern.
WSA-Chef Buchholz hofft, dass die Schachtschleuse noch möglichst lange funktionsfähig bleibt. Wie lange das sein wird, kann auch er nur vermuten. Denn das 96 Jahre alte Bauwerk ist technisch gesehen zwar auf der Höhe und diese Technik müsste noch deutlich mehr als ein Jahrzehnt halten. Doch kommt es zu größeren und kostenintensiven Defekten, würde die Schachtschleuse stillgelegt, die Schleusenkammer endgültig leer gepumpt und vor das Schleusentor am Mittellandkanal ein Damm aufgeschüttet, um das Tor vom Wasserdruck des Kanales zu entlasten. Da die Schachtschleuse unter Denkmalschutz steht, bleibt sie als technisches Bauwerk erhalten.
Während der Bauzeit der Schleuse Minden werden die Schleusungen in der alten Schachtschleuse nicht behindert. Für den Kraftfahrzeugverkehr auf der Bauhofstraße gilt das allerdings nicht. Die wird zunächst komplett gesperrt und später neu trassiert. Zwei neue Brücken führen dann mit lichten Weiten von 26 beziehungsweise 15 Metern über die Ausfahrten der neuen und alten Schleuse.
Während der Bauarbeiten werden die Schiffe der Weißen Flotte neue Ankerplätze beziehen. Die Planungen sehen vor, dass ein Schiff westlich der Zufahrt zur Schachtschleuse vor Anker geht, die anderen Schiffe auf der südlichen Seite des Mittellandkanals vor dem Pumpwerk liegen.
Auch Radwanderer werden von den Bauarbeiten betroffen sein. Ausschilderungen am Weserradweg im Stadtgebiet sollen die Fahrradfahrer frühzeitig auf die veränderte Streckenführung hinweisen und über das 70-Millionen-Projekt informieren.
Dieser Text wurde von Hans-Jürgen Amtage am 2. Januar 2010 für das Mindener Tageblatt verfasst.
Neue Schachtschleuse in Minden kostet fast 70 Millionen Euro
Sie waren nicht zu überhören, die Kettensägen, die im August
2009 auf der Landzunge zwischen dem Vorhafen der Schachtschleuse und dem Bauhafen des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Minden den Bäumen zu Leibe rückten. Die Vorarbeiten für den
Neubau der Schleuse hatten begonnen.
Blindgänger suchen, umfassende Erdbewegungen durchführen und die Sicherheit der alten Schleuse gewährleisten: Vor Beginn der eigentlichen
Arbeiten im Sommer 2010 ist viel zu tun. Alle Voraussetzungen dafür sollen geschaffen werden, dass etwa im April mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Alle Bauarbeiten für den
gesamten Schleusenneubau sind bereits ausgeschrieben. Spätestens bis zum März 2010 sollen alle Aufträge vergeben sein.
Ein Schiff mit einem großen Kran liegt im Bauhafen. Lange
Bohrer werden in den Boden des Hafens getrieben, die, wenn sie eine bestimmte Tiefe erreicht haben, in der Mitte mit einem Kunststoffrohr versehen werden. Das bleibt im Boden, wenn der
Bohrer wieder herausgezogen wird.
In diese Rohre senkt der Kampfmittelräumdienst eine Sonde, die größere Metallansammlungen anzeigt. Es geht darum, das ganze Baugebiet im Hafen und
anschließend auf Land nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abzusuchen und so jede Gefährdung auszuschließen. In den letzten Kriegsmonaten war der Mittellandkanal in Minden mit der
Weserquerung ein begehrtes Ziel der alliierten Streitkräfte.
Mit dem Neubau der Schachtschleuse werden auch sehr große Erdbewegungen erforderlich, nicht zuletzt durch die tiefe
Baugrube für den neuen Schleusenkörper und die Sparbecken. Es würden zwar alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um Erdverschiebungen im benachbarten Gebiet zu vermeiden, doch sei
eine ständige Überwachung erforderlich, erklären die Fachleute. Schon jetzt soll ein Feld erstellt werden, das aus 17 Vermessungspunkten besteht, die so angeordnet werden, dass sich
mindestens jeweils drei "sehen können". Aus den Winkeln zueinander wären auch kleinste Veränderungen sofort festzustellen. Sicherheit geht über alles.
Und Sicherheit gilt
auch, wenn es um den Erhalt der alten Schleuse geht. Stahlbetonbohrpfähle von 120 Zentimetern Durchmesser werden das alte Gelände stützen. Sie sollen von 750 bis zu 40 Meter langen
Verpressankern gehalten werden.
Erste große Baumaßnahme wird in 2010 die Baugrube sein. In dieser soll dann die Schleusenkammer langsam von unten nach oben wachsen. Das allein wird
etwa drei Jahre dauern.
Und wann werden die Mindener neben "ihrer" alten Schleuse die neue im Betrieb bewundern können? "Wir rechnen ab Baubeginn mit einer
reinen Bauzeit von 40 Monaten", erklären die Verantwortlichen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mit dem zuständigen Neubauamt in Hannover. Diese Zeit sei nur einzuhalten, wenn
keine unerwarteten Schwierigkeiten aufträten, womit man allerdings nicht rechne.
Bis zur Fertigstellung sind 250.000 Kubikmeter Erdarbeiten durchzuführen, 90.000 Kubikmeter Beton
oder Stahlbeton und 10.000 Tonnen Bewehrungsstahl zu verarbeiten. Mit einer nutzbaren Länge von 139 Metern und einer Breite von 12,50 Metern wird die neue Schleuse alle Anforderungen
einer modernen Schifffahrt erfüllen. Die Baukosten betragen rund 70 Millionen Euro.
Modelle im Infozentrum an der Schleuse zeigen ein eindrucksvolles Bild der Gesamtanlage mit der
alten und daneben der neuen Schleuse.
Dieser Text basiert auf einem Bericht von Robert Kauffeld im Mindener Tageblatt vom August 2009.
[Link zu weiteren Informationen zur neuen Schleuse]
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