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Unweit der zentralen Weserbrücke, an der Schlagde, ist er im Juli 2001 vor
Anker gegangen: Der Raddampfer “Wappen von Minden”. Der einzige Raddampfer auf der Weser.
Seit Mitte April 2001 schaufeln sich seine Räder durch das Wasser des
Mittellandkanales und der Weser, doch sein endgültiger Liegeplatz vor der Mindener [Fischerstadt] war zunächst noch nicht ganz fertiggestellt. Im Rahmen eines Arbeitsförderungsprojektes wurde der inzwischen 55 Jahre alte Raddampfer, der ursprünglich den Namen “Labe” (Elbe) trug und der mehr als vier Jahrzehnte auf der Elbe bei Prag dampfte, innerhalb von zwei Jahren wieder hergerichtet - nachdem das Dampfschiff auf der Elbe gesunken und fast völlig verrottet war.
1997 hatte der Geschäftsführer der Stadttochter [Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH (MEW)], Hans Jürgen Hansch, die
ersten Kontakte mit der Tschechischen Elbe-Oder-Schifffahrt in Prag wegen des maroden Dampfers aufgenommen. Nach schwierigen Verhandlungen kam 1998 der Kaufvertrag zustande, der Dampfer
wurde in einer Dresdner Werft notdürftig in Stand gesetzt, um wenig später nach Minden geschleppt werden zu können. Dort warteten rund zwei Dutzend junge Arbeitslose darauf, im Rahmen
eines Beschäftigungsprojektes den Raddampfer von Grund auf wieder herzurichten und sich für den Ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Mit Erfolg, wie sich gezeigt hat.
Mit einem
Kostenaufwand von rund vier Millionen Mark wurde der Raddampfer, der jetzt “Wappen von Minden” heißt, aufgerüstet, begleitet von einem Dampfschiff-Fachmann, der seit mehr
sechs Jahrzehnten sein Herz der Dampfschiffahrt verschrieben hatte: Heinz Trost aus Mindens niedersächsischer Nachbargemeinde Wiedensahl. Zuschüsse für das Projekt, das von der
Beschäftigungsgesellschaft Transfer, die unter anderem von der MEW und dem Kreis Minden-Lübbecke getragen wurde, kamen auch vom Land Nordrhein-Westfalen sowie von heimischen Sponsoren.
Viele der jungen Mitarbeiter an dem Projekt konnten inzwischen in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.
Jetzt fährt der Raddampfer “Wappen von Minden” als
Linienschiff der [Mindener Fahrgastschifffahrt], die das Dampfschiff von der
Mindener Entwicklungsgesellschaft gepachtet hat. Das rund 53 Meter lange und neun Meter breite Schiff kann etwa 200 Personen transportieren, nachdem es in Prag auf der Elbe mit bis zu 650
Fahrgästen unterwegs war. Das 25 Tonnen schwere Dampfaggregat, das komplett generalüberholt werden musste, treibt die beiden Schaufelräder mit maximal 45 Umdrehungen in der Minute an. Bei
einem Tiefgang des Raddampfers von maximal 72 Zentimetern, kann sich das Dampfschiff “Wappen von Minden” auch bei niedrigem Wasserstand durch die Fluten der Weser
arbeiten.
Raddampfer-Daten:
Erbaut: 1941-1949 auf der Schiffswerft "Praga" in Prag-Libien Länge über alles: 54,07 m Länge zwischen den Loten: 51,50
m Breite auf Spanten: 5,10 m Breite über Radkästen: 9,50 m Seitenhöhe: 2,30 m Tiefgang leer: 0,63 m Tiefgang beladen: 0,72 m Wasserverdrängung: rund 120 t Drei
Salons mit rund 130 Tischplätzen Freideck mit rund 120 Sitzplätzen
Dampfmaschinen-Anlage: Schrägliegende Zweifachexpansions-Dampfmaschine mit Ventilsteuerung und
Einspritzkondensation, erbaut 1939 bei CKD in Prag Leistung: 153 PS bei 45 U/min Druckumlauf-Zentralschmierung Gewicht: 25 t Hochdruckzylinder ø 330 mm
Niederdruckzylinder ø 647 mm Kolbenhub 650 mm Generalüberholung: 1999/2000 Dreizug Einflammrohrkessel, erbaut 2000 Heizfläche: 34,3 m² Überhitzerheizfläche: 8,08
m² Gesamtheizfläche: 42,38 m² Dampfdruck: 16 atü (kg/cm²) Heißdampf: 250°C Dampfleistung: 1200 kg/h Feuerung: leichtes Heizöl, 88kg/h Bug-Pumpjet-Anlage
Heck-Querstrahl-Propeller
[Weiter geht es zur Mindener Schiffmühle auf der Weser ...]
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