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Wünsche aus kühnsten Träumen werden Wirklichkeit

Nach nur zwölf Jahren Wiederaufbau wird der Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte Mindener Dom am 29. Juni 1957 neu geweiht

Zwölf Jahre lang
war das Ewige Licht im Mindener Dom erloschen. Bis Propst Josef Parensen es 1957 wieder entzünden konnte. Bei zwei Bombenangriffen in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges war das Gotteshaus zerstört worden. Am 29. Juni vor 50 Jahren wurde der Dom nach seinem Wiederaufbau neu geweiht.

Im Laufe des Jahres 1944 nahm der Luftkrieg immer schlimmere Formen an, erinnerte sich Josef Parensen, der von 1937 bis 1966 Propst am Dom zu Minden war. War die Weserstadt bislang von den Bombenangriffen verschont geblieben, prasselten am 6. November 1944 die ersten Bomben der Alliierten auf Minden nieder. Häuser zerbarsten oder brannten aus, viele Bürgerinnen und Bürger verloren ihr Leben. Doch der Dom trotzte den Bomben. Bis zum 6. Dezember. In den Mittagsstunden dieses Tages flogen die Bomber ihren zweiten Angriff auf Minden.

Ein Sprengkörper traf das mehr als 1100 Jahre alte Gotteshaus, das nahezu sechs Jahrhunderte sein Aussehen kaum verändert hatte. Die Nordseite des Chores wurde aufgerissen, ebenso die Sakristei und die Domschatzkammer. "Das Chorgewölbe stürzte ein", beschrieb Parensen viele Jahre später die Situation. "Der Hochaltar wurde schwer beschädigt."

Doch das sollte noch nicht alles sein. Hitler-Deutschland lag bereits am Boden, doch der "Führer" ließ seinem Wahnsinn auf den Schlachtfeldern weiterhin freien Lauf. Die Reaktionen bekam auch Minden noch einmal zu spüren. Am 28. März 1945 flogen die alliierten Streitkräfte ihren dritten Angriff auf Minden - den größten.

Wieder war es in den Mittagsstunden, als die Spreng- und Brandbomben das Stadtzentrum trafen. Ein Volltreffer ließ die Domhalle einstürzen. Das Dach und das Westwerk wurden Opfer der Flammen. Das Domkloster und die Propstei brannten bis auf die Grundmauern nieder. Zahllose Kunstwerke wurden zerstört. Und selbst Teile des [Domschatzes], die in zwei Tresoren eigentlich sicher eingelagert worden waren. Denn die Tresorwände glühten und hielten der Hitze der Feuersbrunst nach dem Bombenangriff nicht Stand. Der Mindener Dom stand fortan stellvertretend für das damals aktuelle Deutschlandbild: Ein zerstörtes Deutschland.

Doch wie überall im Lande begann auch in Minden der Wiederaufbau. 1946 begannen am Dom die ersten Sicherungsarbeiten. Die Gewölbe des Querschiffes wurden gestärkt. Da weder Vater Staat noch die Dom-Gemeinde Gelder für die Sicherungsarbeiten zur Verfügung stellen konnten, wurde am 28. Juni 1946 der Mindener Dombau-Verein gegründet, der in den folgenden Jahrzehnten viel für das Gotteshaus tun wird.

Glocken schmelzen in Feuersbrunst dahin

Die Arbeiten am Dom schritten langsam fort und ein weiteres, für den Dom-Wiederaufbau wichtiges Datum folgte: Der 29. Januar 1948. In Gescher, in der Glockengießerei Petit & Edelbrock, wurden fünf neue Glocken für das Mindener Gotteshaus gegossen. Aus dem Material der bei der Feuersbrunst geschmolzenen Domglocken. Der Guss der drei großen Glocken gelang. Zwei kleinere wurden nachgegossen.

Doch bevor die Glocken wieder nach Minden kamen, wurden sie erst einmal auf der Exportmesse in Hannover präsentiert - und dort auch geläutet. Mehr als zwölf Monate dauerten unterdessen die Arbeiten am Westwerk des Domes, in dessen Glockenturm später die Glocken läuten sollten. Am 3. März 1950 war es endlich soweit. Das Richtfest konnte im Westwerk gefeiert und die Glocken geweiht werden. Tausende Mindener verfolgten in der Domruine und auf den beiden Domhöfen die Feierlichkeiten. Sie hörten auch den ersten Anschlag an die große Glocke. 16 Tage später läuteten die Glocken zum ersten Mal im Westwerk.

Ein Jahr später wurde die Domschatzkammer ausgebaut und eingerichtet. Am 3. Dezember 1953 konnte Richtfest im Langhaus gefeiert werden. Knapp drei Jahre später wurde der letzte Stein in die mittlere Kuppel der Halle eingefügt und damit die Einwölbung des Domes vollendet. Der Wiederaufbau des Domes war fast geschafft. Nur die Fenster mussten noch verglast und der Dom ausgestattet werden.

Während des Wiederaufbaues wurden im Vergleich zu der Zeit vor der Zerstörung einige Veränderungen am "Gesicht" des Domes vorgenommen. Statt der früheren Walme erhielt das Gotteshaus Giebel. Die Kapitelle der zerstörten Fenstergalerie an der Ostseite wurden vom Detmolder Bildhauer Karl Ehlers neu gestaltet. Und der renommierte Berliner Architekt Prof. Werner March - Schöpfer des Berliner Olympiastadions -, der beim Wiederaufbau des Domes und des historischen Mindener Rathauses die künstlerische Gesamtleitung trug, gab dem Dachreiter eine völlig neue Form. Im Inneren des Westwerkes wurde die frühromanische Kaiserloge wiederhergestellt und zum Langhaus hin geöffnet, nachdem sie in der Barockzeit durch den Einbau einer großen Orgel völlig verdeckt worden war. Wiederhergestellt in der Form des 10. Jahrhunderts wurde das Portal zwischen Paradies und Langhaus. Anstelle des neugotischen Portals an der Westseite rückten die ursprünglichen drei mit Bogen überdeckten Eingangsöffnungen und die im Obergeschoss liegende romanische Fenstergalerie.

Erinnerung an die Meister des Mittelalters

Der Mindener Regierungsbaurat Paul Knoch betonte damals nach dem Wiederaufbau: "Besonders hervorzuheben wäre, dass bei der Wiederherstellung aller zerstörten Teile nur bester Werkstein verwendet und die Technik der Steinbehandlung der mittelalterlichen Meister wiederholt worden ist, um wirklich ein getreues Abbild des alten Domes zu erlangen." Und Werner March erklärte: "Das Ausmaß der Bombenzerstörung ließ auch kühnste Träume im Jahre 1946 nicht hoffen, den Mindener Dom schon im Jahre 1957 in seinen wesentlichen Teilen neu erstanden zu sehen."

Doch die kühnsten Träume bewahrheiteten sich. Am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, am 29. Juni 1957, wurde die Neuweihe des Mindener Domes mit der Konsekration, der liturgischen Weihe, des Gemeindealtares unter der Vierung durch Erzbischof Lorenz Jaeger gefeiert. Propst Josef Parensen zelebrierte die Messe.

Seither gab es immer wieder umfangreiche Sanierungsarbeiten am Mindener Dom. Und unter anderem mit dem Wiedereinzug der [Goldenen Tafel], einer Replik des im Berliner Bodemuseum ausgestellten Originals aus dem 15. Jahrhundert, auch echte "Highlights" in der aktuellen Gemeindegeschichte.

Am  29. Juni 2007 feierte die Domgemeinde mit einem Pontifikalamt im Mindener Dom den 50. Jahrestag der Neuweihe des Domes. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte die Messe. Und Propst am Dom Roland Falkenhahn, sowie sein Vorgänger Propst Paul Jakobi mögen dann im Dom in die Zukunft geblickt haben. Eine Zukunft, für die auch Falkenhahns Worte stehen: "Man könnte glauben, die Arbeit sei getan. Dass dieses nicht so ist, zeigt sich am äußeren Bau des Domes immer wieder neu. Manche Fragen der äußeren Bauhülle wie des Lebens im Inneren stellen sich in Abständen immer wieder. Manche Fragestellungen sind in veränderter Zeit gänzlich neu."

Text: Hans-Jürgen Amtage
Fotos/Reproduktionen: Arnold Weigelt, Manfred Otto, Edwin Dodd




 

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Der Mindener Dom und der Kleine Domhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts..

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Der Mindener Dom nach dem dritten großen Bombenangriff auf Minden am 28. März 1945.

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Das Langhaus des Mindener Domes war nach dem Bombenangriff völlig ausgebrannt.

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Die Maßwerkfenster des zerstörten Domes waren nur noch Skelette.

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Mit einem feierlichen Pontifikalamt wurde am 29. Juni 2007 die 50. Wiederkehr der Neuweihe des Mindener Domes gefeiert.

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Der rund 1200-jährige Mindener Dom wie er sich jetzt im 21. Jahrhundert zeigt.

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Aktualisiert: 29/01/12
 

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