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Am 19. Januar 1943 meldet
Grotemeyer aus Berlin, dass die Gemälde fertiggestellt sind. Die Gemälde weisen den 77-jährigen Grotemeyer als versierten Maler aus, der kompositionell sicher und zügig die Leinwände bearbeitet.
Seine Vorzeichnungen mit Kohle oder schwarzer Kreide scheinen durch und werden zur Konturierung einzelner Partien in die Malerei integriert. Es entsteht so ein zeichnerischer, illustrativer
Gesamteindruck. Hohe malerische Qualität zeigt sich in der Setzung der atmosphärischen Vorder- und Hintergründe und der sicheren Einbeziehung des hellen Malgrundes in den Motivaufbau.
Die
teilweise unbestimmt gehaltenen Hintergründe deuten eine Wertung des Malers an: Topographische Details dienen Grotemeyer lediglich als Erkennungszeichen, benötigen also nicht die gleiche Ausarbeitung
wie der Handlungsstrang.
„Zu dem Hintergrund muss ich bemerken, dass die Ansicht der Kritiker einfach Unsinn ist. Wenn man mit gesunden Augen eine Handlung beobachtet - achtet man nicht
gleichzeitig auf den Hintergrund dafür - also wenn der Maler einen historischen Vorgang packend schildern soll, muss er den Hauptvorgang hervorheben und alles andere eben weniger - sonst verflacht
seine Darstellung.
Fotoapparate mit scharf eingestellter Blende sind ihm eben nicht maßgeblich für eine Arbeit, die anders behandelt werden muss. So ist das wenigstens meine Ansicht, und die
kommt bei meinen Bildern nur in Frage.“ (Grotemeyer an Archivrat Dr. Martin Krieg, 12. März 1947, Kommunalarchiv Minden)
Grotemeyer gelingt es, mit mattem Farbauftrag und gezielt
gesetzten zeichnerischen Details Physiognomien, Stimmungen, Situationen vor dem Betrachter erstehen zu lassen. Er ermöglicht so eine direkte Einfühlung in das dargestellte historische Ereignis und
seine Handlungsträger.
Durch die Aufnahme von GenreSzenen überschreitet Grotemeyer das Ideal der klassischen Historienmalerei: Die Darstellung des alltäglichen, flüchtigen Moments dient
ebenfalls der Vergegenwärtigung des geschichtlichen Ereignisses. Auch die Übernahme photographischer Bildaufbautechniken, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Erscheinungsform der Malkunst
beeinflussten, verleiht den Gemälden den Charakter einer Momentaufnahme. Grotemeyers Gemäldezyklus steht somit deutlich in der Tradition der Malerei um 1900.
Im Umfeld der für das „Dritte
Reich" typischen Gemäldeproduktion lassen sich Grotemeyers rückwärtsgewandt wirkende Historienbilder weder inhaltlich noch stilistisch verorten. Eine propagandistische Bedeutung kann ihnen nur
im Gesamtzusammenhang des geplanten Sitzungssaales des Mindener Rathauses und durch Interpretation im Sinne des Zeitgeistes mitgegeben werden.
Alle Texte: Mindener Museum (Ursula
Bender-Wittmann und Marion Tüting), bearbeitet von Hans-Jürgen Amtage, Digitale Gemälde-Reproduktionen: Manfred Otto
Die neun Gemälde von Fritz Grotemeyer (Titel anklicken):
[Widukind und Karl der Große (um 800)]
[Trauung Heinrich des Löwen im Mindener Dom (1168)]
[Kaiser Karl IV. in Minden (1377)]
[Mindener Hansekaufleute (15. Jahrhundert)]
[Reformationspredigt des Nikolaus Krage in der Martinikirche (1529)]
[Belagerung Mindens durch die Schweden (1634)]
[Kurfürst Friedrich Wilhelm I. stiftet die Prämie für das Freischießen (1685)]
[Schlacht bei Minden (1759)]
[Friedrich der Große besucht Minden (1763)]
[Weiter geht es zur Goldenen Tafel im Mindener Dom ...]
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