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Einmalige Darstellung in der Kunstgeschichte

Propst am Dom i. R. Paul Jakobi stellt die Schätze der Mindener Domschatzkammer vor: Der Petrischrein.

Mit Fotos von Arnold Weigelt (Domgemeinde Minden).

Mit der Errichtung des Domes
wurde Minden zum Bischofsitz und über viele Jahrhunderte konnte die Kirche in Minden ihre Macht kontinuierlich ausbauen. Der Bischof war nicht nur geistiger Würdenträger, sondern auch Grundherr. Zentrum seiner Herrschaft war der Dom selbst und das ihn umgebende Areal mit Bischofshof, Domkloster sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.

Von der Macht des Bistums zeugt noch heute der Domschatz, der in der Schatzkammer im Haus am Dom am Kleinen Domhof zu besichtigen ist. Im Jahre 1683 ließ der Brandenburgische Kurfürst Friedrich-Wilhelm ein Inventarverzeichnis der Besitzgüter des Bischofes erstellen. Vergleicht man dieses Verzeichnis mit den heute noch vorhandenen Kunstschätzen, wird deutlich, dass einiges davon im Laufe der letzten drei Jahrhunderte abhanden gekommen ist. Dennoch ist der Domschatz ein ”Schatz” im besten Sinne des Wortes für die Stadt Minden.

Die Vorstellung übernommen hat Propst am Dom i. R. Paul Jakobi, der 16 Jahre lang auch Hüter dieses Schatzes war. Den Auftakt macht Jakobi mit dem Petrischrein.

Der erste Patron des Mindener Domes war der Apostel Petrus, dessen Fest die Katholische Kirche am 29. Juni feiert.

Wegen des Wortes Jesu an ihn “Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen” (Mt 16,18), kam ihm bei einer mittelalterlichen Bistumsgründung hohe Bedeutung zu. Es kann sein, dass Papst Leo III. bei seiner Begegnung mit Kaiser Karl dem Großen 799 in Paderborn eine Petrusreliquie aus Rom mitgebracht hat, die bei der Bekehrung der Sachsen helfen sollte. Im Mittelalter hatte die Verehrung der Gebeine von Heiligen einen ganz anderen Stellenwert als heute.

Die Christen waren davon überzeugt, dass die Heiligen, auf deren Gräbern schon in den ersten Jahrhunderten die heilige Eucharistie gefeiert wurde, auch nach ihrem Tode als Fürsprecher bei Gott tätig sein würden. Sonst hätten nicht so kostbare Reliquienschränke wie der Petrischrein entstehen können.

Neben dem [Mindener Kreuz] gilt dieses Kunstwerk als das wertvollste Exponat der zwar kleinen, aber in der Kunstgeschichte äußerst angesehenen Mindener Domschatzkammer. Der Tradition nach soll Bischof Rudolf von Schleswig das Reliquiar anlässlich der Domweihe im Jahre 1071 dem Bischof Eilbert von Minden geschenkt haben.

Über einen Eichenholzkern, der in den Jahren 1994-96 erneuert wurde, sind gepunzte Goldbleche geschlagen, die mit wertvollen Steinen, Emailmotiven und Abbildungen versehen sind. Auf der Rückseite des Schreins befindet sich eine kreisförmige Scheibe aus Gold mit Senkschmelzeinlage, die in Byzanz entwickelt wurde. Vier sich gegenüberstehende weibliche Halbfiguren werden von Vogelpaaren abgelöst. Sie alle gruppieren sich um einen rechteckigen, großen Smaragd. Rechts und links daneben sind Saphire eingelassen, um die sich Blattranken und Fabelwesen legen, die sich mit ihrem Schlangenkopf in den Schwanz beißen. Auf dieser Seite des Walmdaches befinden sich vier Steine: Sternsaphir, Bergkristall, Saphir und Amethyst. Auf den beiden Stirnseiten des Schreins sind stark eingedrückte Reliefs aus Goldblech erkennbar, die frontal dargestellte Heilige abbilden.

Von besonderer künstlerischer Klarheit und theologischer Aussagekraft ist die Vorderseite des Petrischreins. Im Dach wird die Ausgießung des Heiligen Geistes dargestellt. Rechts und links befinden sich in Doppelreihen die zwölf Apostel, in ihrer Mitte der heilige Petrus. Es gehört zu den Besonderheiten dieses außer-gewöhnlichen Kunstwerkes, dass die Taube als Symbol des Heiligen Geistes nicht über den Aposteln schwebt, sondern zwischen ihnen; sie ist auf die Kreuzigung des Petrus ausgerichtet. Diese Darstellung ist einmalig in der Kunstgeschichte. Sie beschreibt den Anfang und das Ende seiner missionarischen Tätigkeit. Die untere Vorderseite des Schreins beschreibt die Kreuzigung des hl Petrus: mit dem Kopf nach unten. Er hielt sich nicht für würdig, wie sein Herr zu sterben. Rechts und links stehen vier Soldaten mit Schild und Schwert, mit Hammer und Nägeln. Zwei Soldaten haben ihren Fuß auf den Kreuzbalken gesetzt. Auf der aus Silber geschmiedeten Bodenplatte stehen die Namen der Heiligen, deren Reliquien im Schrein aufbewahrt wurden, unter ihnen auch der des heiligen Petrus. Bis zur Überführung der Gebeine des heiligen Gorgonius im Jahre 952 war der Apostel Petrus der erste, danach der zweite Patron des Mindener Domes.

[Nächstes Objekt des Domschatzes: Reliquienschrein der heiligen Valeria)

Die Serie ist in den Jahren 2004 und 2005 im [Mindener Tageblatt] erschienen. Wir danken der Chefredaktion für die Erlaubnis, die Texte übernehmen zu dürfen

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Autor Propst am Dom i. R. Paul Jakobi

Autor Propst am Dom i. R. Paul Jakobi (78).

Der Petrischrein in der Domschatzkammer

Der Petrischrein in der Domschatzkammer.

[Impressum und Haftungsausschluss: © amtage.de] - das private Minden-Magazin über die Stadt Minden (Westfalen). Aktualisiert: 13/09/08