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Bischof Sigebert in Elfenbein
Wertvolles Schmuckstück zierte liturgisches Buch
Von Propst i. R. Paul Jakobi
Das Mindener Domschatzinventar
von 1683 bringt den Vermerk: “Sieben elffenbeinerne Bilder, so hiebevor auf Büchern angeheftet gewesen“. Eins von diesen Bildern stellt auf einem Elfenbeinrelief den vielleicht bedeutsamsten [Mindener Bischof Sigebert] dar, der von 1022 bis 1036 das Bistum geleitet hat. Leider wurde dieses wertvolle Schmuckstück, das nach dem Hinweis aus dem Domschatzinventar ursprünglich eines der liturgischen Bücher - vielleicht das berühmte Mindener Sakramentar - geziert hat, auf Veranlassung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. 1683 nach Berlin geschafft. In der Mindener Schatzkammer befindet sich lediglich eine Kopie. 1820 ist das Original in die Hände der Herzogin Maria von Geldern geraten, die damit ihr Gebetbuch, das die Jahreszahl 1415 trägt, geschmückt hat. Später ist es in die Staatsbibliothek nach Berlin zurückgekehrt.
Bischof Sigebert ist als Schüler aus der Mindener Domschule hervorgegangen. Er war zuerst Kaplan bei Kaiser Heinrich II. und stand nach dessen Tod im Jahre 1024 auch in der Gunst des Kaisers Konrad II. So konnte der Bischof, der ein ausgeprägtes Kunstverständnis besaß, leicht Kontakte zu den Kunstwerkstätten und Schreibstuben in Bamberg, St. Gallen und auf der Insel Reichenau herstellen. Die Gemahlin von Kaiser Otto II. Theophanu hatte aufgrund ihrer Herkunft für Einflüsse aus dem byzantinischen Zeremoniell gesorgt, sodass auch diese Erfahrungen genutzt werden konnten. Sigebert förderte Kunst und Wissenschaft, brachte bedeutsame liturgische Bücher heraus, gründete Schreibstuben für Handschriften und führte die Buchmalerei zur höchsten Blüte. Auch die Entdeckung der Notenschrift, Tropar genannt, geht auf ihn zurück.
Der Künstler stellt auf diesem Elfenbeinrelief den Bischof Sigebert in Übergröße in die Mitte. Er trägt als erster Mindener Bischof das Rationale, das als seltene päpstliche Auszeichnung nur wenigen Bischöfen verliehen wird. Es ist ein mit zwei Zierrosetten versehener Schulterschmuck, der aus Wolle gewebt wird. Die Schafe werden wegen der Namensverwandtschaft am Fest der hl. Agnes - das Lamm heißt lateinisch "agnus“- geschoren. Der Papst segnet persönlich die Wolle, die für das Rationale bestimmt ist. Der bärtige Sigebert trägt über den ausgebreiteten Armen zwei Manipel. An seiner Seite stehen zwei Priester, von denen einer ein geschlossenes, der andere ein geöffnetes Buch in verhüllten Händen hält. Mit der rechten Hand zeigt der Bischof auf eine Stelle im Buch. Aufwendig gekleidete Diakone breiten zu seinen Füßen über einem Teppich ein Tuch aus. Während der eine den Bischofsstab trägt, fasst der andere an den Saum des bischöflichen Gewandes. Links oben neben dem Haupt des Bischofs erscheint in einem Strahlenkranz das Lamm als Symbol für Christus, rechts die Taube als Zeichen des Heiligen Geistes. Die ganze Szene steht in einem schmalen mit Perlfries versehenen Rahmen, der an der unteren rechten Seite beschädigt ist.
Bischof Sigebert war nicht nur ein angesehener Kirchenfürst, sondern ein begnadeter Geistlicher, dem die Umgebung den Namen "amandus“ - der Liebenswerte gegeben hat. Eines seiner liturgischen Bücher trägt den Vermerk, dass „Sigebertus praesul amandus“ es gestiftet hat. Er vereinigte in seiner Person Führungsqualität, Verständnis für Wissenschaft, Kunst und Liturgie und Spiritualität und Frömmigkeit. Sein Grab fand er in der Kirche des von ihm gegründeten St Martini-Stiftes zu Minden.
[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Das Triumphkreuz]
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