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Hervorgehobene Position - besondere Amtstracht
Mitra ist Ausdruck der bischöflichen Autorität
Von Propst i. R. Paul Jakobi
"Die Fragen nach Amt und institutioneller Gestalt
der Kirche berühren den theologischen Laien im allgemeinen wenig. Doch hinter dieser Frage steht eine ganz und gar existentielle Frage. Es geht bei der Frage nach der Autorität in der Kirche letztlich um das verbindliche Sprechen und Handeln der Kirche. Dies ist im heutigen pluralistischen, alles relativierenden Kontext eine Frage auf Leben und Tod“ (Kardinal Walter Kasper). In dieser wichtigen theologischen Frage des Amtes gehen die evangelische und katholische Kirche unterschiedliche Wege. Der Schwerpunkt der evangelischen Kirche liegt auf der Gemeinde, die aufgrund des allgemeinen Priestertums nicht episkopal, sondern synodal verfasst ist. Dem gegenüber stellt die katholische Kirche den Bischof, in dem sie den Nachfolger der Apostel sieht, als die tragende Säule der Kirche heraus. So konnte der große Theologe und Bischof von Karthago, der hl. Cyprian (200 - 258) formulieren: "Die Kirche ist im Bischof. Wer nicht mit dem Bischof ist, ist nicht in der Kirche.“
Mit dieser hervorgehobenen Position des Bischofs war sehr früh schon eine besondere Amtstracht verbunden, zu der neben dem Hirtenstab und dem Ring auch die Mitra gehörte. Sie ist als Kopfbedeckung der Bischöfe Ausdruck ihrer bischöflichen Autorität und Würde und wird bei sakramentalen Handlungen, nicht aber beim Gebet getragen. So zieht der Bischof mit der Mitra zum Gottesdienst in die Kirche ein; er trägt sie bei der Predigt und auch beim Segen.
Die jetzige Form der Mitra ist schon sehr alt. Wahrscheinlich hat sie sich aus der Kopfbedeckung hoher staatlicher Würdenträger entwickelt. Seit dem 12. Jahrhundert hat sie einen dreieckigen vorderen und hinteren Schild jeweils mit einer Spitze, die eine niedrige Haube umschließen. Von dem hinteren Schild fallen zwei Bänder auf den Rücken des Bischofs.
Eine äußerst kostbare Mitra der Mindener Bischöfe aus der Zeit um 1400 befindet sich im Kunstgewerbemuseum in Berlin, wohin sie auf Veranlassung des Großen Kurfürsten gekommen war. Im Mindener Domschatzverzeichnis von 1683 wurde sie unter der Bezeichnung Mitra episcopalis erwähnt. Schon hier wird darauf aufmerksam gemacht, dass die aus Seide gearbeitete purpurfarbne Mitra bereits damals gelblich verfärbt war.
Auf der Vorderseite der Mitra ist die Verkündigungsszene mit dem Engel und der Jungfrau Maria dargestellt. Maria kniet vor einem maßwerkverzierten Betstuhl, an dessen Seite ein Henkelkrug aus vergoldetem Silberblech mit einer weißen Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit in Stickarbeit abgebildet ist. Ihr gegenüber schreitet der Erzengel Gabriel mit seinen großen Flügeln und erhobenem Zeigefinger auf Maria zu. Er hält ein Schriftband aus Perlenstickerei in seiner Hand.
Auf dem rückwärtigen Schild der Mitra ist die Krönung Mariens zu sehen. Christus sitzt auf der Thronbank neben Maria und weist mit erhobenem Zeigefinger seiner rechten Hand auf ihre Krone. Die Parallelität der beiden erhobenen Zeigefinger des Engels und des Sohnes ist sicher nicht zufällig. Die Gewänder der himmlischen Figuren sind mit Perlen durchsetzt. Beide Szenen sind von vergoldeten Silberblechsternen umgeben. Auf beiden Seiten der Mitra führen an deren Rand Bordüren mit Eicheln aus Perlenstickerei zur Spitze.
Der untere Rand der Mitra ist von einem Fries umgeben, in dessen Feldern sich Mischwesen befinden: halb Löwe, halb Greif. Sie sind vermutlich Symbole der Wachsamkeit, zu der der Bischof als Wächter der Diözese verpflichtet ist. Die Fabelwesen können auch ein Hinweis auf die gott-menschliche Natur Jesu Christi sein. Die Bänder der Mitra weisen Eichenlaubranken aus Perlstickerei und aus Silber gestanzten Eicheln aus.
Als Entstehungsorte der Mitra werden Niedersachsen oder auch Prag angegeben.
[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Mindener Missale]
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