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Kunstvolle Schließe für das Priestergewand
Mindener Kunstwerk vergoldet Berliner Kunstgewerbemuseum
Von Propst i. R. Paul Jakobi
Bei besonderen liturgischen Feiern
, etwa bei Prozessionen, Vespergesängen oder Andachten mit sakramentalem Segen, trägt der Priester ein wertvolles Gewand, das Chormantel oder Pluviale heißt. Es ist ein bis zu den
Füßen reichender, vorn geöffneter Umhang, der sich im 13. Jahrhundert aus einem Regenmantel mit Kapuze zu einem reich geschmückten Gewand für den Gottesdienst entwickelt hat, wobei die
Kapuze auf dem Rücken zu einem schildförmigen Zierstück umgebildet wurde. Der Chormantel wird auf der Brust von einer Schließe, die man wie das Brustkreuz Pektorale nennt, gehalten.
Häufig wurde sie besonders kunstvoll gestaltet.
Eine solche äußerst kostbare Mantelschließe befindet sich im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Es handelt sich um ein Kunstwerk, das in
Minden geschaffen und in der Liturgie des Domes verwandt wurde. Diese vergoldete Silberschließe war im Jahre 1484 von dem Mindener Domherrn Albert von Leteln gestiftet und von dem
Mindener Goldschmied Reineke vam Dressche angefertigt worden. Beide Personen sind durch Inschriften auf dem Stück belegt. Auf der Rückseite der Pluvialschließe sind die Worte eingraviert:
"Reineke vam dressche gholtsmed mindens", dem ein gotisches r, dem Meisterzeichen des Künstlers, beigefügt ist. Der Stifter wird auf dem äußeren Zargenrand namentlich mit
Jahreszahl genannt. Er hat sich im unteren Feld mit einem Chormantel abbilden lassen.
Der Bezug zu Minden wird durch die drei auf der Mantelschließe dargestellten Heiligen
deutlich: In der Mitte befindet sich der hl. Petrus, der Patron des Domes. Er sitzt im Chormantel auf einer Cathedra. In der rechten Hand hält er den Schlüssel, mit der linken auf seinen
Knien das Buch. Der Heilige trägt die päpstliche Tiara, die von einem Heiligenschein umgeben ist. An der linken Seite steht neben ihm der hl. Gorgonius, der später zum Hauptpatron des
Domes aufgerückt ist. Auf der anderen Seite ist der hl. Mauritius, der Patron des Mindener Benediktinerklosters, abgebildet. Beide sind als ehemalige Soldaten in Ritterrüstung mit Schwert
dargestellt. Gorgonius, der ursprünglich noch einen Schild an seiner Seite hatte, trägt eine Halskette mit einem Kreuz; Mauritius hält neben dem gesenkten Schwert die Kreuzes -und
Auferstehungsfahne Christi in seiner rechten Hand.
Über allen drei Personen sind zweigeschossige Baldachine angebracht; sie sind Zeichen des himmlischen Jerusalem und neben dem
Nimbus, der die drei Heiligen ziert, Ausdruck ihrer Heiligkeit. Die ganze Szene wird von einem Bogenrand, über den die Baldachine hinausreichen, mit kleinen Blüten umschlossen.
Unter den Heiligen befinden sich Randbogennischen, die rechts und links mit Rosen und in der Mitte mit der Stifterfigur gefüllt sind. Das Prachtstück stammt aus der Zeit der
Hochgotik.
Auf Anordnung des Großen Kurfürsten wurden 1683 kostbare Kunstgegenstände des Mindener Domschatzes nach Berlin geschafft, um die Staatlichen Museen Preußischer
Kulturbesitz aufzuwerten. Zu diesen wertvollen Exponaten gehörte auch diese wunderschöne Chormantelschließe.
[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Zarte Märtyrerin aus hartem Stein - Agnes]
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